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Gastro-Trends

Weniger is(s)t mehr

1. September 2018

Wenn edles Essen bequem verpackt würde, würde es öfter gegessen werden, unabhängig davon, ob der Preis stimmt oder nicht? Ein aufregendes Konzept, das unsere Essgewohnheiten bereits entscheidend verändert hat – speziell in einer Zeit, in der Bequemlichkeit und Zugänglichkeit eine grosse Rolle für unser Leben spielen.

Die Verbraucher von heute suchen ständig nach Wegen, ihre Freizeit und ihr verfügbares Einkommen so zu maximieren, um den grösstmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Dieser Trend wirkt sich auch auf das Essverhalten aus. Dass dabei die gesunde und ausgewogene Ernährung auf der Strecke bleiben muss, ist ein Mythos.


Gründe für den Convenience-Trend

Eine Studie aus dem Jahr 2008 fand heraus, dass viele Menschen, besonders die sogenannten Millennials und die Generation Z, das Gefühl haben, unter ständigem Zeitdruck zu stehen und gerade für Freizeit und Familie zu viel Zeit einbüssen zu müssen. Über 50 Prozent der Befragten gaben ausserdem an, dass Zeitmangel für sie das grössere Problem darstelle als Geld. Dieser Trend hat auch Einfluss auf den Konsum und die Zubereitung von Speisen: Aufgrund der sich verändernden und immer schneller werdenden Lebensstile verbringen Konsumenten heute weniger Zeit mit der Planung und Zubereitung von Mahlzeiten. Viele Verbraucher wissen bis 16 Uhr oftmals noch nicht, was sie zu Abend essen werden, und verbringen nur etwa 30 Minuten damit, das Essen zuzubereiten. Essen zu nicht fixierten Zeiten – oftmals auch alleine – wird durch die geänderten Gewohnheiten, den geschäftigen Lebensstil von heute sowie die Einstellung zum Kochen immer häufiger.


Die Merkmale des Trends

Der Convenience-Food-Trend hat sich also längst etabliert: Tiefkühlkost, Suppenbeutel,
Sandwiches etc. – allen Produkten ist gemein, dass sie dem Konsumenten Zeit und Mühe abnehmen, ein Nahrungsmittel oder ein Gericht zuzubereiten. Während für die Gastrobranche Küchenfertiges im Vordergrund steht, kaufen Endkonsumenten vor allem Produkte, die entweder nur noch erhitzt werden müssen oder sofort verzehrfertig sind. Der Convenience-Food-Trend ist facettenreich, muss sich aber auch ständig weiterentwickeln und mit anderen Trends konvergieren, um den Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden. Convenience bedeutet mehr als nur servierfertige, einfach zuzubereitende und zugängliche Produkte. Die Verbraucher von heute diktieren die Zukunft der Lebensmittel- industrie durch ihren Hunger nach gesunden, erschwinglichen Ernährungserlebnissen. Gesunder Konsum in allen Bereichen der Lebensmittelindustrie steht denn auch seit ein paar Jahren im Fokus dieser Branche. Die Lust und Nachfrage nach gesundem Essen ist immens gestiegen und der Konsument von heute ist anspruchsvoller geworden. Er hat nicht mehr länger das Gefühl, bei der Ernährung Kompromisse eingehen zu müssen, während er seinen geschäftigen Alltag meistert. Er scheut sich vor ungesundem Essverhalten und sucht aktiv nach Produkten, die nicht nur das Grundbedürfnis Essen stillen, sondern auch sein Wohlergehen unterstützen – aber schnell und einfach muss es gehen. Convenience bedeutet, Kochzeiten zu verkürzen und die Einkaufsliste zurechtzustutzen. Mit weniger Zutaten zu kochen, macht den Verbraucher bedachtsamer, was er in sein Essen tut: Essentiell ist einfach, dass gutes Essen super-einfach herzustellen und leicht zugänglich ist. Qualität vor Quantität, ein bisschen Fleiss an der Kochfront und im Gegenzug massiver Geschmack.


Convenience mit Persönlichkeit

Der Vorstoss der Millennials und Gen Z, gesündere, umweltfreundlichere Lebensmittel zu essen, und der Aufstieg der Lebensmittelunternehmen, die ebendiesen Kunden nahrhafte, frische Zutaten liefern, die sie schnell zu einer gekochten Mahlzeit verarbeiten können, fordert den Convenience-Food-Bereich enorm. Die Aussage «du bist, was du isst» gewinnt auch je länger je mehr an Gewicht.

Es steht nicht mehr nur die gute und gesunde Ernährung im Zentrum, sondern vielmehr auch die Identitätsbildung des Konsumenten: Essen als eine Erweiterung der Persönlichkeit. Genauso, wie die Menschen immer versucht haben, sich durch Kleidung und Besitztümer auszudrücken, werden Gen Z und Millennials ihre Identität durch die Nahrungsmittel, die sie essen, weiter erforschen und manifestieren. Essen ist zu einer weiteren Plattform der Selbstdarstellung von Verbrauchern und Unternehmen geworden – einer Möglichkeit, Kreativität und sogar Designbewusstsein zu äussern.