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Gastro-Trends

Lebensmittel transparent machen

1. September 2018

Verbraucher wollen Transparenz, Einzelhändler fordern sie. Lebensmittelproduzenten, die Transparenz liefern, gewinnen Vertrauen. Doch was bedeutet dieser Wandel für die Lebensmittelindustrie?

Der moderne Verbraucher hat angefangen, sich umfassend dafür zu interessieren, woher sein Essen kommt und was
drin ist. Was steckt in den verpackten Lebensmitteln, woher kommen die Zutaten und wer hat sie wie produziert?


Transparenz in der Lebensmittelkette umfasst viele verschiedene Bereiche: Sie beinhaltet sicherlich ein «sauberes» Etikett,
das bedeutet Lebensmittel mit weniger Zutaten, Konservierungsmitteln oder künstlichen Aromen, Farben und Süssstoffen. Folglich: eine kürzere Inhaltsangabe mit weniger chemisch klingenden Namen. Konsumenten verlangen auch nach authentischen, ethisch vertretbaren und einfacheren Alternativen zu herkömmlichen Massenproduktionsprozessen. Dieses sogenannte «Clean eating» hat grundlegende Ansätze für die Produktentwicklung inspiriert, nämlich das Interesse an einer Rückkehr zur Lebensmittelverarbeitung auf natürliche Weise und die Suche nach dem ursprünglichen Genuss. Ein gutes Beispiel hierfür ist sicher die Konservierung im Einmachglas – eine Haltbarkeitsmethode, die dank dem Clean-eating-Konzept ein Revival erlebt
und dies ganz ohne E-Nummern.

Lebensmittel erzählen eine Geschichte

Der Ersatz künstlicher Zutaten durch saubere ist jedoch nur der Anfang: Lebensmittelunternehmen haben erkannt, dass sich das Marketing ihrer Produkte auch auf der kommunikativen Ebene verändert und entscheidend weiterentwickelt hat. Die Produzenten müssen den Verbrauchern auf persönlicher Ebene ihre Geschichte erzählen und mit ihrem Ethik- und Umweltkodex punkten, denn die Konsumenten von heute kaufen nicht mehr nur das Produkt, sondern auch die Wertvorstellungen, die es vermittelt. Transparenz in der Lebensmittelindustrie ist also viel mehr als nur die Offenlegung von Inhaltsstoffen. Produk entwickler und Vermarkter müssen alle Aspekte der Transparenz berücksichtigen, um Erfolg zu haben. Der Weg ist das Ziel: Es zählt nicht nur das Erreichen eines Clean-Labels, Transparenz wird schon während des Prozesses erwartet. Junge Unternehmen und neue Marken haben hier sicher einen Vorteil: Während etablierte Konzerne sich in der sogenannten Natural Food Industry neu erfinden und Rezepturen ändern müssen, stehen junge Unternehmen weniger unter Zugzwang und können mit überzeugenden Produkten ihre Zielgruppen bedienen und eine authentische Markenidentität entwickeln. Trotzdem können sich selbst grosse Player dieser Entwicklung nicht länger entziehen und haben reagiert: So hat beispielsweise Nestlé 2015 begonnen, künstliche Aromen und Farben aus ihren Produkten zu verbannen, und kann diese nun mit dem Kriterium «ohne künstliche Aromen oder Farbstoffe» schmücken.